Herzlich Willkommen!

"Engagement ist freiwillig und umsonst - aber niemals ohne Gewinn" (Jutta Oxen)

Sonntag, 12. Oktober 2014

Ein letztes Mal: "Hallo, ihr Lieben"

ich habe es leider noch nicht geschafft, Euch hier mitzuteilen, dass ich wieder gut in Deutschland gelandet bin, aber ich denke, die Meisten von Euch dürften es auch so mitbekommen haben. Ich hoffe, ihr habt euch keine Sorgen gemacht. :b
In den letzten vier Wochen, die ich jetzt schon wieder hier bin (Waaaaaaahnsinn oder?), hatte ich eigentlich auch noch keine richtige Zeit, mich wieder einzuleben. Die Umzugsvorbereitungen, mein Nachbereitungsseminar, der Umzug nach Erurt und die Einführungswoche an der Uni haben mich sowohl zeitlich als auch körperlich und nervlich vollkommen vereinnahmt.
Trotzdem wollte ich euch gerne noch einmal von meinem Kulturschock in dem mir ja so bekannten Deutschland (das dachte ich jedenfalls) berichten...
Was ich gerne gleich zu Beginn sagen würde: Deutschland ist ein wirklich verrücktes und außerordentlich kompliziertes Land! 
Als ich das erste Mal wieder in einem Supermarkt stand, war ich gar noch gar nicht so irritiert wie ich gedacht hätte. Der Anblick war erst einmal immer noch so wie ich es noch kannte. Erst bei Näherem Hinsehen, war ich irritiert. Der Grund: die Preise! Während ich in Tansania für eine Kokosnuss höchstens 500 Schilling (25 Cent) habe, wollten die im Edeka 1,49€ von mir! Das Gleiche gilt für Avocados, Mangos etc. Eigentlich ist es ja schon völlig verrückt, dass man das alles hier kaufen kann, obwohl es hier nicht wächst. Aber den Preis muss man dann eben auch zahlen und das Ganze mit einem doch recht ernüchternden Ergebnis: es schmeckt gar nicht! Nein, gar nichts schmeckt hier. Avocados nicht, Kokosnuss nicht, Mangos nicht, Bananen nicht. Außerdem sehen Zucchini aus wie Gurken und die Gurken sind viel zu lang und zu dünn. Paprika ist auch viel zu groß und dann ist sie auch noch rot oder gelb. Die Auswahl, die ich dann hatte, als ich meinen geliebten Käse kaufen wollte, hat mich fast erschlagen. Ich hatte mich so auf Käse gefreut, doch dann stand ich vor der Käsetheke und habe erst einmal gar keinen gekauft, weil ich nicht wusste, welchen. Das musste dann doch meine Mutter erledigen. 
Als ich dann Zuhause war - mit meinem ganzen Käse - musste ich recht bald feststellen, dass ich wohl keine Milchprodukte mehr vertrage... Die Nahrungsumstellung, die mir in Tansania so gar keine Probleme bereitet hatte, machte mir in den ersten Tagen das Leben so richtig schwer. Und dabei war das Essen doch das, worauf ich mich mit am Meisten gefreut hatte.. Nun gut, jetzt nehme ich irgendwelche Pillen und hoffe, dass sich das Problem nach einer Weile von alleine löst. Ansonsten muss ich mich wohl noch einmal mit dem in Deutschland so unglaublich verwirrenden Gesundheitssystem herumschlagen!
Die letzte Woche, also meine erste Woche in Erfurt, habe ich mich dann eigentlich nur von Nudeln ernährt - die ich jetzt auch nicht mehr sehen kann. Trotzdem fühle ich mich hier in Erfurt recht wohl. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass hier noch nichts funktioniert. Die Spüle und die Spülmaschine (jaaaaaa, wir haben eine Spülmaschine - verrückte Erfindung, was??) sind noch nicht angeschlossen, sodass wir momentan noch in der Dusche unser Geschirr waschen. Eine Waschmaschine haben wir auch noch nicht. Der Kühlschrank schließt nicht richtig, weshalb wir ihn jetzt erst einmal ausgeschaltet haben, bis sich jemand findet, der uns das reparieren kann. Und der Backofen geht auch nicht. Jetzt fragt ihr euch sicher, was funktioniert denn überhaupt? Doch, eine Sache gibt es da durchaus: unser Herd! Nudeln kochen, können wir also schon. Sooooo anders als in Tansania ist es also gar nicht. Nur die Kakerlaken fehlen ein bisschen...
(Kleines Hinweis zwischedurch: Falls jemand von Euch ganz viel Langeweile und Lust haben sollte, sich einmal das traumhafte Erfurt zu besuchen, und auch noch eines unserer tausend Probleme beheben können sollte, ihr seid jederzeit hier willkommen!)
Eine weitere Herausforderung ist das Einstellen der Wassertemperatur. Ja, ich wusste noch, dass man in Deutschland warmes Wasser aus der Leitung bekommen kann. In Altenstädt war das auch noch kein Problem. Da wird unser Wasser über eine Solaranlage geheizt und da ist das Wasser in der Dusche dann schön warm, aber nicht heiß. Ich schwöre euch, hier in Erfurt kommt kochendes Wasser aus der Leitung! Und jedes Mal, wenn ich duschen möchte, muss ich das neu lernen. Mein Langzeitgedächtnis ist auch nicht mehr so auf Trab.
Obwohl jeder Tag mega schnell vorbei ist und ich so viel zu tun habe, dass Langeweile noch ein Fremdwort ist, habe ich das Gefühl, schon wieder seit einer Ewigkeit hier zu sein. Eigentlich wäre langsam mal wieder Zeit, zu verreisen. Nach Tansania vielleicht? Ich hab gehört, dass es da ganz schön sein soll...
Okay, Spaß beiseite. Ich bin jedenfalls noch schwer damit beschäftigt, mit den kleinen und großen Alltagsproblemen zurecht zu kommen. Was ich hier geschrieben habe, sind nur die Dinge, an die ich mich gerade erinnert habe. Irritiert bin ich eigentlich ständig von irgendetwas und es wird wohl noch eine Weile dauern bis ich wieder richtig hier angekommen bin. Ab Dienstag muss ich dann erst einmal wieder lernen, zu lernen, einen geregelten Alltag zu haben und alles ernst zu nehmen. Momentan hoffe ich aber noch, dass es Dienstag vielleicht einen spontanen Feiertag gibt. Na, Frau Merkel? Was halten Sie davon? Vielleicht komme ich auch in die Uni und erfahre, dass die Professoren eigentlich eine Fortbildung haben, das den Studenten nur nicht mitgeteilt wurde? Oder wir müssen nach den Semesterferien erst einmal die Uni putzen... Das wäre nicht so cool. Aber, wir werden sehen!
Jetzt ist auch schon Ins-Bett-Geh-Zeit. Ist ja dunkel draußen.
Also wünsche ich Euch allen eine Gute Nacht! Und wir sehen uns sicher bald wieder - in Deutschland sind die Entfernungen ja eigentlich gar nicht erwähnenswert!

Liebe Grüße,
Eure Debbie

P.S. Ich wollte Euch allen noch einmal dafür danken, dass ihr immer so fleißig meinen Blog gelesen und mir geschrieben habt. Ich habe mich immer über eine Nachricht aus Deutschland gefreut und fand es toll zu wissen, dass ihr mich bei meinen kleinen Abenteuern begleitet und so viel Interesse an meinem Freiwilligendienst gezeigt habt! Vielen herzlichen Dank! :)

Donnerstag, 11. September 2014



Sooo, nun ist es so weit. Mein Jahr in Tansania ist fast vorbei.
An dem Samstagabend, an dem Eike dann geflogen ist, hatten wir kurz vorher noch ein Treffen mit den Schulleitern. Viele von den Grundschulen hatten jedoch keine Zeit und so fand das Meeting nur mit Mr. Shao von Kirimeni, Mr. Mbuya von Makerere und Mr. Lymu und Rehema von der Kiumako statt. Gemeinsam mit Gilbert besprachen wir Probleme, die es in dem letzten Jahr gegeben hatte und sammelten Verbesserungsvorschläge, Wünsche der Schulleiter und neue Ideen für die zukünftigen Freiwilligen. Außerdem regten wir an, solch ein Treffen auch zwischendurch zu veranstalten. Nach dem Treffen packte Eike dann seine Koffer und machte sich auf den Weg in Richtung Flughafen. So drei Tage später auch Laura. Trotz der vielen anderen Gäste kam mir das Haus ohne die Beiden sehr leer und ungewohnt ruhig vor. Wenige Tage später fuhren auch Wina und Georgie, unsere Cousine und unser Cousin, die die letzten Monate hier verbracht hatten, wieder nach Hause, um die letzten Vorbereitungen für ihre Unis zu treffen. Lange blieb es aber nicht leer, denn wir bekamen nach und nach noch Besuch von den ehemaligen Freiwilligen Helena, Gesa und Lola. Gegen Ende des Monats kamen dann auch noch vier Sportstudenten, die an der Kiumako Sport, Englisch und Deutsch AGs machen, sowie den Schulhof gestalten.
Nachdem Laura und ich also unsere Projekte mit unseren 6. Klassen beendet hatten, entschieden Lisa und ich uns aber dafür, das Kochprojekt weiter zu führen. Die beiden Praktikantinnen Tina und Marieke wollten uns dabei helfen, worüber die Schulleiter sich sehr freuten. Außerdem ging ich weiterhin nach Kondiki, um dort Filme zu zeigen. Hierbei hatte ich ein super Erlebnis, als ich „Ice Age“ geguckt habe. Bisher hatten die Kinder viel Spaß bei den Filmen, doch andere Gefühle haben sie nicht gezeigt. Bei „Ice Age“ jedoch konnte ich das erste Mal erleben, wie die Kinder richtig mit dem „komischen Elefanten aus Deutschland“ und seinen Freunden mit gefiebert haben. Sie hatten totale Gefühlsausbrüche, haben geklatscht, die Tiere angefeuert, gepfiffen, sich erschrocken oder waren völlig erstarrt. Ein paar Kinder haben zwischendurch sogar geweint.
Ansonsten habe ich meine Zeit viel damit verbracht, ein paar Dinge für die Neuen bzw. meine Abreise vorzubereiten. Ich habe mit den Schulleitern gesprochen und Pläne geschmiedet, wie die Neuen am Besten beginnen. Dabei musste ich ihnen wieder mehrmals erklären, dass sie nicht mit unserer 6. Klasse weiter machen, sondern die jetzige 5. Klasse bekommen sollen.
Eines unserer Wochenenden war wieder einmal gefüllt mit Feiern. Wir waren auf der Hochzeit des Sohnes von dem ehemaligen KCMC-Leiter Mr. Lymu. Am nächsten Tag ging es mit der Einweihung des neuen Gebäudes vom Kiumo Ausbildungscenter, wofür auch ein paar Heikendorfer angereist waren, weiter. Anschließend gingen wir nach Kirimeni zu der Privatschule, bei der ein Anbau eingeweiht wurde. Alles wurde von dem Bischof aus Moshi begleitet.
Wir machten auch noch einen Ausflug nach Moshi zu den heißen Quellen „Majimoto“. Nachdem wir eine Weile durch trockene und unglaublich staubige Landschaft gefahren sind, war mitten in dem ganzen Staub plötzlich eine Art Pool und darum herum überall Palmen. So klares, blaues Wasser habe ich bisher noch nicht gesehen. Es hatte ein bisschen Ähnlichkeit mit einer Therme. Das Wasser war angenehm warm. An einem der Bäume, die um den Pool herum standen, war ein Seil befestigt, an dem sich immer wieder Tansanier und ab und zu auch mal ein paar Weiße in das Wasser geschwungen haben. Als Lisa als Erste von uns in das Wasser wollte, zog sie ihre Füße mit einem lauten Schrei erschrocken direkt wieder heraus. Verwirrt habe ich sie angeguckt bis sie unter Lachen meinte, dass in dem Wasser Fische seien, die in ihren Fuß gebissen haben. Vorsichtig haben wir also unsere Füße wieder in das Wasser gehalten, die Fische an unseren Füßen herumknabbern lassen und uns darüber gefreut, dass andere Leute dafür viel Geld ausgeben.
Nun ist auch der August schon wieder vorbei und der letzte Kochzyklus hatte begonnen. Cedric, ein neuer Freiwilliger von Elimu, der aber an der VunjoSecondary School lebt und arbeitet, begleitete uns dabei. Er soll mit den anderen Beiden das nächste Jahr ebenfalls an den Grundschulen mit kochen. Also begleitete er uns schon einmal, damit er jede Schule kennenlernen konnte. In der Nacht vom 3. auf den 4. September fuhren Lisa und ich gemeinsam mit Pracseda und dem Schulleiter der KiumakoMrLymu in einem gemieteten Bus (!) zum Flughafen. Da wir etwas spät dran waren, mussten wir nicht lange auf die neuen Freiwilligen warten. Die Sechs waren schon gelandet und warteten nur noch auf ihr Gepäck. Aufgeregt begrüßten sie uns und wir verstauten die Gepäckmassen in unserem Bus. Während der Rückfahrt wurden Lisa und ich schon mit tausenden von Fragen bombadiert, die wir so gut wir konnten beantworteten. Irgendwann kam dann aber doch die Müdigkeit durch und den Rest der Fahrt verbrachten wir damit zu schlafen.
Am nächsten Morgen traf ich mich um 8 Uhr mit Lea und Lars, den beiden neuen Freiwilligen für die Grundschulen. Obwohl wir nur wenige Stunden geschlafen hatten, mussten wir heute direkt mit der Besichtigung der Schulen loslegen, da ab Montag Ferien sind. Die 7. Klasse schreibt nämlich ihre Abschlussexamen. Somit machten wir uns nach dem Frühstück direkt auf den Weg nach Uuwo. Eigentlich stand in den beide Tagen im Vordergrund, die Neuen vorzustellen und sie trotz der kurzen Zeit möglichst gut auf die Projekte vorzubereiten. Doch für mich war dies gleichzeitig der Abschied – und zwar dieses Mal der endgültige. Wir haben die Beiden also nicht nur in ihrer 5. Klasse vorgestellt sondern sind jedes Mal auch noch kurz in meine Klasse gegangen, damit ich mich verabschieden konnte. Und jedes Mal bin ich hoffnungslos in Tränen ausgebrochen und musste mich sehr zusammenreißen, um noch sprechen zu können. Was mich hierbei aber sehr überrascht hat: nicht nur ich bin in Tränen ausgebrochen. Obwohl Gefühle hier in der Öffentlichkeit nicht gezeigt werden, hatten auch viele meiner Kids die Tränen in den Augen. Dass die Lehrer sie dann immer noch einmal dazu gebracht haben, ein Abschiedslied zu singen, hat das Ganze nicht besser gemacht. Nachdem wir dann also am Ende des Donnerstages Lea und Lars in Uuwo, Kirimeni und Kondiki vorgestellt hatten, kam ich mit roten Augen nach Hause und wurde von Pracseda mit der Feststellung begrüßt, es ginge mir nicht gut. Sie hat sich unheimlich viel Mühe gegeben, mich zu beruhigen, was nach einer ganzen Weile dann auch funktioniert hat.
Am nächsten Tag ging es dann jedoch genau so weiter. Gemeinsam mit allen 7 Freiwilligen (den 6 Freiwilligen von Jugend im Ausland und Cedric von der Vunjo) sind wir auf den Markt gegangen, um einzukaufen und anschließend in Makerere zu kochen. Nachdem wir alles soweit fertig geschnitten hatten und warten mussten bis es auch fertig gekocht war, nutzten Lea, Lars und ich die Zeit und gingen wieder in die 5. Klasse. Dieses Mal kamen mir schon hier die Tränen und Mr. Mbuya fragte mich, ob ich mich auch noch in der 6. Klasse verabschieden wolle. Natürlich wollte ich. Anschließend gab er mir noch eine Tüte in die Hand. Ich hätte zwar schon ein Abschiedsgeschenk von der Schule bekommen, aber weil ich so traurig sei, wolle er mir gerne noch etwas schenken Und so bekam ich dann noch eine Packung Kilimanjaro Kaffee. Während die Anderen nun das Essen begannen auszuteilen, aßen wir Drei schnell etwas, da wir heute noch in die 5.und letzte Schule gehen mussten – nach MarigaChini. Als wir langsam das Schulgelände verließen, standen meine Kids gerade alle dort, um mir noch einmal zu winken. Ich versuchte ein Lächeln und winkte zurück. Da rannte eine Schülerin, Asha, auf mich zu und umarmte mich schnell noch einmal. Wir verließen langsam die Schule und ließen die Anderen, die sich gestern schon in allen drei Schulen vorgestellt hatten, die restliche Arbeit machen, suchten uns ein Auto, was uns schnell mit nach Mwika nahm und liefen von dort nach MaringaChini. Auch hier bekam ich noch ein Abschiedsgeschenk und alle Schüler wurden zusammengetrommelt, um mich zu verabschieden und die Neuen willkommen zu heißen. Als ich dieses Mal vor allen Schülern anfing zu weinen, ging ein Raunen durch die Klassen. Lea musste mir nach jeder Schule die Reaktionen der Schüler berichten, da ich durch meine Tränen leider immer nicht mehr so viel sehen konnte und mehr damit beschäftigt war, meine zitternden Hände und Knie unter Kontrolle zu bringen. Die Schüler schienen in jeder Schule sehr betroffen gewesen zu sein. Ich sollte meine Adresse hinterlassen und meine deutsche Handynummer, damit ich mit den Lehrern und Schülern in Kontakt bleiben könne. Eine der jüngeren Lehrerinnen suchte mich gleich bei Facebook. Als wir Zuhause ankamen und die Anderen trafen, erzählten diese mir, dass sie in Makerere noch Bäume für uns gepflanzt hätten, die auch noch mit unseren Namen beschriftet werden sollen. Da ich meinen Baum nicht mehr gesehen habe, hoffe ich jetzt, dass Lea und Lars bei der nächsten Gelegenheit ein Foto machen und es mir schicken werden!
Der Samstag ging dann wieder etwas ruhiger zu. Wir fuhren mit den Neuen nach Moshi, um ihnen die Stadt zu zeigen. Sonntag hatten Lisa und ich eigentlich vor, den Gottesdienst zu schwänzen, weil wir uns nicht verabschieden wollten. Doch Pracseda bat uns sehr ausdrücklich darum, noch einmal in die Kirche zu gehen. Sie versprach auch, dass wir uns nicht verabschieden müssten. Wir halfen den Neuen noch, einen Text vorzubereiten, um sich in der Kirche vorstellen zu können, da hier kaum einer Englisch versteht im Dorf. Und am nächsten Tag machten sie das wunderbar. Die Gemeinde war begeistert von ihren Kiswahilikenntnissen! Wir mussten uns tatsächlich nicht verabschieden, da die richtigen Pfarrer, die uns kannten, gar nicht da waren. Was aber nicht bedeutete, dass ich nicht trotzdem wieder am Heulen war. Der Abschied fällt mir unglaublich schwer und es kommt mir absolut unrealistisch vor, in zwei Tagen schon wieder in Deutschland zu sein. Trotzdem bin ich schon sehr gespannt auf alles, was mich dort so erwartet…

Bis Samstag dann,
Eure Debbie

 Zusammen mit Tina pflanze ich Eikes und Lauras Kaffeebaeume, sowie unsere Apfelbaeume, den Makadamiabaum und den Pfirsichbaum aus den Usambarabergen ein!

 heisse Quellen zwischen Moshi und Arusha

Hochzeit von Samueli Shao:



 Einweihung vom Kiumo Bildungszentrum

 Einweihung des Anbaus an der privaten Grundschule, wo auch Timoth und Kelvin hingehen

Freitag, 8. August 2014

Nachdem Deutschland die Fußballweltmeisterschaft gewonnen hat, werden wir in jeder Schule vom Schulleiter, den Lehrern, unseren Schülern und allen Menschen auf der Straße, die uns kannten oder auch nicht, zu unserem Sieg beglückwünscht, als wären wir selbst es gewesen, die gespielt haben.

Für unsere vorletzte Woche in den Schulen haben Laura und ich Fingerfarben aus Mehl, Wasser, Zucker und Salz gekocht, Farben untergemischt, die anschließend teilweise einen ganz anderen Farbton aufwiesen, und mit unseren Schülern Handabdrücke gemacht. Mit großen Augen starrten sie auf die Farben in den Flaschen, hielten es oft erst für „Juici“ und bekamen noch größere Augen als wir ihnen erklärten, dass es sich um Farben handelt. Begeistert, aber auch vorsichtig, weil sie noch etwas skeptisch zu sein schienen, tauchten sie ihre Hände in die Farbschalen und klatschten sie dann auf ihre Blätter. Dabei beobachteten Laura und ich immer wieder, dass viele Schüler besonders ihre kleinen Finger nicht gerade auf das Blatt drücken konnten. Sie sind gekrümmt und sie können sie nicht gerade biegen. Diese Lücke füllten sie dann immer mit einem anderen Finger. Allerdings ließ uns der Gedanke nicht los, dass das möglicherweise eine Krankheit sein könnte, die dann aber sehr verbreitet sein müsste. Während die Kinder noch ein bisschen um ihre Handabdrücke herum malten und ihre Namen auf die Blätter schrieben, unterhielten wir uns in jeder Schule wieder darüber, kamen aber zu keinem Ergebnis, mit dem wir uns das erklären konnten. (Falls von Euch jemand eine Idee hat, woran das liegen bzw. was das sein könnte, klärt uns gerne auf!) Wir ließen die Bilder trocknen und gingen noch etwas draußen spielen bis die Stunde vorbei war und wir zum Schluss noch ein Klassenfoto mit den Bildern machen konnten. Dieser Part musste in Uuwo leider ausfallen, da unsere Stunde von den Lehrern etwas früher beendet wurde. Sie kamen mit einer Liste in den Klassenraum und lasen zahlreiche Namen vor – mindestens die Hälfte unserer Klasse. Die Schüler mussten sich draußen in einer Reihe aufstellen und bekamen nicht wie wir es mittlerweile schon „gewohnt“ waren, einen Schlag mit einem Stock auf die Handfläche, sondern bestimmt 5-10 Schläge auf den Hintern, teilweise sogar auf den Rücken. Hinterher hatten wir also eine heulende Klasse vor uns sitzen, von denen sich die meisten vor Schmerzen den Rücken gehalten haben und teilweise sogar gebückt laufen mussten. Sprachlos standen Laura und ich vor den Kindern und wussten nicht wie wir uns verhalten sollten. Die gute Laune war verflogen und so entschieden wir uns dazu, die Stunde zu beenden und schon etwas früher zu gehen. Viel Zeit war eh nicht mehr übrig.
In der darauffolgenden Woche hatten wir dann kurzfristig ein langes Wochenende. Da der Ramadan vorbei war und die Muslime ihr Zuckerfest feierten, gab es drei Feiertage. Eigentlich sollten es nur zwei sein, doch niemand wusste, welche Tage frei sein sollten. Eine Gruppe Muslime, die rechnete, kam auf Montag und Dienstag. Die Muslime, die sich nach dem Mond richteten, hatten aber Dienstag und Mittwoch frei. Somit war im Endeffekt an allen drei Tagen keine Schule. Wir nutzen dies, um in die Usambaraberge zu fahren. Gemeinsam mit den zahlreichen Praktikanten aus Deutschland, die sich momentan auf unser und Babus Haus verteilen – Tina, Jan, Marieke und Lucas – verbrachten wir ein tolles Wochenende dort. Gili brachte uns zu einem alten deutschen Bauernhaus, welches während der Kolonialzeit erbaut wurde und Kolonialherren als Ferienhaus diente, in dem wir das Wochenende wohnten. Wir wanderten zu einem Aussichtspunkt und saßen auf einem Felsen, von dem es 1.000m steil nach unten ging und von dem wir einen grandiosen Blick über das Vorland der Usambaraberge hatten. Wir wanderten durch den Regenwald, sahen unzählige Chamäleons und aßen auf einer alten deutschen Farm, die noch von einem Deutschen (der einen alten VW-Bus mit dem deutschen Kennzeichen“WES TI“ fährt) geführt wird, wie es sich für eine deutsche Farm in den Bergen gehört selbstgebackenes Brot mit Butter und Käse. Dazu frisches Gemüse und Apfelsaft. Wie ausgehungerte Kinder stürzten wir uns auf das Essen und waren froh, dass wir nicht weiter laufen mussten, sondern mit dem Bus fahren konnten. Wir besuchten noch eine weitere deutsche Farm, auf der Bäume gezüchtet und verkauft wurden. Unter den großen Makadamiabäumen sammelten wir Makadamianüsse und kauften zum Schluss einen Makadamiabaum, zwei Apfelbäumchen, einen Pfirsichbaum und bekamen einen nach Citrus duftenden Gewürzteebaum geschenkt. Wieder Zuhause mussten wir uns von den drei Amerikanerinnen verabschieden, die wieder zurück flogen. Eines der beiden nun frei gewordenen Zimmer wurde dann direkt von einer ehemaligen Freiwilligen, Helena, bezogen.

Gegen Ende des Monats haben Laura und ich dann angefangen, in den Schulen anzukündigen, dass wir uns bald verabschieden werden. In unseren Klassen haben wir Fotos aus dem letzten Jahr angeguckt und mit ihnen ein kleines Picknick veranstaltet. Es gab Orangen und Kekse. Zum Schluss bekam jeder Schüler als kleines Abschiedsgeschenk einen Lolli und einen Luftballon von uns und in dem Klassenraum haben wir ein großes Klassenfoto von uns allen aufgehängt. Die Schüler waren total begeistert, allerdings auch sehr enttäuscht als wir ihnen erklären mussten, dass dies unsere letzte Stunde sei. Mit so einer Reaktion hätte ich nicht gerechnet!


Letzte Woche haben wir dann begonnen, uns von den Schulen, also allen Schülern, den Lehrern, den Schulleitern und den Köchinnen zu verabschieden. Lisa und ich werden zwar noch weiterhin kochen bis wir dann im September ebenfalls zurück nach Deutschland fliegen, doch die Projekte in den Schulen haben wir gemeinsam begonnen und deshalb wollten wir uns auch gerne gemeinsam verabschieden. Bis auf eine Schule haben das sogar alle verstanden und wir bekamen kleine Geschenke. Außerdem haben die Schüler für uns gesungen, uns eine gute Reise gewünscht, Gottes Segen und liebe Grüße an unsere Familien und Freunde und alle, die sich freuen, dass wir zurück kommen, bestellt. Und natürlich sind wir jederzeit wieder herzlich Willkommen!

Heute Morgen beim Fruehstueck hat Mami uns erzaehlt, dass heute Nacht das Haus eines Nachbarn neben der Kiumako Secondary School bei uns im Dorf abgebrannt wurde. Ausserdem wurden die Felder zerstoert, alle Baeume gefaellt und alles andere plattgetrampelt. Den Grund dafuer haben wir noch nicht herausgefunden, aber wir haben das Geruecht gehoert, dass jemand gehoert habe, dass ein Mann vorhabe, einen anderen Mann zu vergewaltigen, also wurde vorsichtshalber schon einmal das Haus seiner Familie vernichtet....




Handabdruecke mit selbstgemachter Fingerfarbe:



Reis sortieren

Spielen im Kindergarten:



Auf dem Weg in die Usambaraberge:


das Wohnzimmer in unserem deutschen Bauernhaus

Markt in Soni bei Lushoto

eines der zahlreichen Chamaeleons, die wir gesehen haben...

Wer sieht das Chamaeleon? - Also unser Guide Abu hat es im Vorbeigehen aus dem Augenwinkel heraus entdeckt... Wenn ihr jetzt ein bisschen braucht, um es zu entdecken, wisst ihr, wie es uns alle 5 Minuten auf unseren Wanderungen erging!

Wandern durch den Regenwald

ein Babychamaeleon

...und noch ein Chamaeleon!

1.000m vor uns geht es steil nach unten



Abschiedsparty fuer die Amis

Abschied in unseren Klassen - auch wenn sie etwas traurig waren, dass wir gehen: Ueber die Lollis und Luftballons haben sie sich gefreut!

Samstag, 19. Juli 2014

Halloechen allerseits,

Heute erzähle ich euch einmal ein bisschen über Vorurteile uns Deutschen gegenüber. Die Tansanier sind uns im Allgemeinen gegenüber sehr gastfreundlich. Immer wieder werden wir willkommen geheißen: in Tansania, in Moshi, in Mwika, in Uuwo, in den Schulen, auf der Straße. Wir werden zum Tee eingeladen oder direkt zum Essen. Erst einmal wurde uns ein Autounfall gewünscht, bei dem wir alle sterben sollten.
Nun wohnen für zwei Wochen zwei Kenianer bei Babu und Bibi – unseren Großeltern. Sie geben Farmern Unterricht wie sie Kühe richtig behandeln, halten und füttern müssen, damit diese besonders viel Milch geben. Bei einem Abendessen bei Babu und Bibi haben Lisa und ich diese zwei Kenianer kennengelernt und uns mit ihnen unterhalten. Zu Beginn hatten wir einen sehr guten Eindruck von ihnen. Nach keinen fünf Minuten aber kamen wir auf die Themen Nationalsozialismus und Deutschland heute (welche nicht wir begonnen haben). Marike, eine Studentin aus Deutschland, die ebenfalls bei Babu und Bibi einquatiert wurde, da es bei uns langsam ziemlich voll ist, hat uns erzählt, dass sie sich bereits drei Mal mit ihnen über dieselben Themen unterhalten hat. Recht schnell bekommen wir Drei also an den Kopf geknallt, dass in uns allen Adolf Hitler stecke und wir uns ebenso verhalten würden. Sie werfen uns vor, dass Deutschland Kolonien hatte (wobei sie aber nicht wussten, dass Deutschland selbst keine Kolonie von irgendeinem anderen Land war) und erzählen uns, dass sie Angela Merkel hassen. So richtig begründen können sie all ihre Vorurteile und Vorwürfe uns gegenüber nicht und wir durchschauen auch recht bald, dass sie eigentlich keine Ahnung von der deutschen Geschichte haben. Wir versuchen so gut wir können, ihnen ein bisschen was zu erklären, sobald wir in ihrem gleichzeitigen Redeschwall irgendwie zu Wort kommen. Problem: die angeblichen englischen Muttersprachler (weil sie in Kenia immer nur Englisch reden würden und gar kein Kiswahili) verstehen uns nicht und können sich auch nur schwer ausdrücken. Außerdem wollen sie uns auch nicht zuhören. Bei allem, was wir ihnen erzählen kommt das Argument „Das kann gar nicht sein. Wir sind sehr gebildet. Und in unseren Geschichtsbüchern steht das anders.“ In den kenianischen Geschichtsbüchern muss demnach drin stehen, dass Hitler ein böser Mensch war und deshalb auch alle heute noch lebenden Deutschen böse Menschen sind, weil alle gut finden, was Hitler gemacht hat und alle Deutsche Hitlers Gene haben. Angela Merkel sei eine schlechte Frau, weil sie sich noch nie für den Nationalsozialismus entschuldigt habe. Außerdem nehmen die zwei Kenianer ihr sehr übel, dass das Auswärtige Amt eine Reisewahrnung für Kenia ausgesprochen hat wegen der Bombenattacken auf Touristen. Die Einheimischen in Kenia könnten ja schließlich auch nicht einfach ihr Land verlassen. Trotz dieses unglaublich negativen Bildes von Deutschen wollen die Beiden gerne in Deutschland leben. Dort führe man schließlich ein Leben im Luxus und müsse dafür gar nicht arbeiten. Sie dagegen müssten hier jeden Tag von morgens bis abends mindestens um 8 Uhr arbeiten (was sie hier definitiv nicht tun). Da können sie das Böse in den Deutschen für in Kauf nehmen. Somit hat Marike noch einen Heiratsantrag von einem von den Beiden bekommen. All diese Themen haben wir in nicht einmal 10 Minuten an den Kopf geknallt bekommen. Dann kam das Essen und fröhlich grinsend haben sie uns gefragt, ob wir Bohnen haben wollen. Wir saßen etwas perplex und sprachlos am Tisch und wussten nicht so genau wie wir uns verhalten sollten. Aber für die Beiden waren all diese Themen wohl beendet. Sie hatten gesagt, was sie zu sagen hatten, und hatten absolut kein Interesse daran, unsere Meinung dazu zu hören. Unsere Einladung, dass WM-Finale gemeinsam bei uns zu gucken, haben wir dann aber lieber zurückgezogen aus Angst als absolute Rassisten abgestempelt zu werden, wenn wir bei dem Fußballspiel für unser Land gejubelt hätten.
So richtig kann ich eigentlich gar nicht widergeben, was wir an diesem Abend alles zu hören bekommen mussten, weil beide gleichzeitig verbal über uns hergefallen sind und uns in sehr kurzer Zeit eine Menge Vorwürfe verschiedenster Themen gemacht wurden.

Seit zwei Wochen wohnt nicht nur noch eine weitere Studentin – Tina – aus Deutschland bei uns, sondern auch noch eine weitere Katze. Eine der drei Amerikanerinnen bekam Snickers bei ihrer Umfrage im Dorf von einer Frau geschenkt. Drei Tage später brachte ein Mann eine weitere Katze vorbei. Diese jedoch war noch unglaublich winzig. Wir schätzten sie auf höchstens 4 Wochen. Sie wog 250g. Zwei Tage lang überlebte sie. Tina und ich hatten ihr abends ein kleines Häuschen gebaut und morgens wurde ich davon geweckt wie sie an dem Häuschen klettern geübt hat. Ich bin mit ihr nach unten zum Frühstück gegangen und während sie auf meiner Schulter saß, habe ich den Frühstückstisch gedeckt. Das Kleine war ein wenig übermütig und ist so über meinen Arm geklettert, dass ich es kurz auf dem Sofa absetzen musste, damit es nicht herunter fällt. Auf diesen Moment hat unser Kater Voldi gewartet, sich auf das Kleine gestürzt und totgebissen. Eikes und mein verzweifelter Versuch, seinen Biss zu lösen, hat leider erst funktioniert, als es schon zu spät war.
Snickers ist aber wohlauf und hat bereits gelernt, sich gegen Voldi durchzusetzen. Er ist schon alt genug, um sich zu wehren und nach einigen Kämpfen haben die Beiden gelernt zusammen hier zu leben, ohne sich gegenseitig z töten.

In den Schulen läuft es weiterhin hervorragend. In der letzten Woche haben Laura und ich mit unseren Schülern einen Parcours aufgebaut, den wir in zwei Mannschaften bewältigen mussten. Erst rennen, dann mit Tennisbällen auf einem Löffel, auf einem Bein hüpfend, rückwärts, als Dreibeinlauf. Mit Abstand am lustigsten war Sackhüpfen. Wir sind Springseil gesprungen, haben Frisbee gespielt und versucht uns wieder an die Gummitwistchoreographien aus der Grundschule zu erinnern. Unsere Schüler haben uns dabei so gequält, dass wir jetzt mit einem gehörigen Muskelkater durch die Gegend laufen müssen. Beim Kochen gestern in Kondiki habe ich mich mit einem der Lehrer über die Wasserversorgung unterhalten. Immer wieder fällt uns auf, dass die Schüler und auch die Lehrer und Köchinnen die Wasserhähne nicht zu drehen und Massen an Wasser verschwendet werden. Der Lehrer erzählt mir, dass sie zwar einen Zähler haben, aber die Schulen unabhängig von der Wassermenge, die verbraucht wurde, 10.000TSH (5€)im Monat für Wasser zahlen. Trotzdem bleibt das Problem, dass dann irgendwann die Wassertanks leer sind und es kein Wasser mehr gibt, weil das gesamte Wasser ungenutzt durchgelaufen ist. Ebenfalls haben wir schon oft beobachtet wie Schüler sich einen Becher Wasser abfüllen, einen Schluck trinken und den ganzen Rest wegschütten, sich den Becher wieder füllen und alles wiederholen. Ihnen fehlt einfach das Feingefühl für solche Dinge, die Kindern in Deutschland schon im Kindergarten eingetrichtert werden. Auf meine Frage hin warum hier mit Wasser so umgegangen wird, antwortet er mir „Das ist eben unsere Kultur.“
Da nun bereits der letzte Kochzyklus für uns beginnt, kochen wir zum letzten Mal in jeder Schule noch einmal Reis.

Und zum Schluss moechte ich noch meine Schwester gruessen, die die Weissheitszaehne herausbekommen hat. Gute-Besserungs-Kuss, Schwesterherz! :*

Herzlichste tansanische Gruesse,
Eure Debbie

Unser kleines Minikaetzchen, was leider nicht allzu lange ueberlebt hat...

 Dreibeinlauf





Eierlauf




 Sackhuepfen:




Kondiki:





 

Dienstag, 1. Juli 2014

Nach unserer Reise wurden wir auch in den Schulen von unseren Schülern wieder herzlich empfangen.  In Makerere überfielen sie uns regelrecht, umarmten uns, hakten sich bei uns unter und fingen von ganz alleine an, „Old McDonald had a farm“ zu singen. Wir spielten mit dem Schwungtuch und „Karotten pflücken“, vorbei alle Schüler im Kreis auf dem Schwungtuch lagen und sich einhakten. Zwei Schüler spielten die „Bauern“, die die „Karotten“ pflücken sollten, indem sie sie an den Füßen aus dem Kreis heraus ziehen sollten. Zu Beginn waren unsere Kids ein wenig verwirrt, doch recht schnell hatten sie den Dreh heraus und das Spiel machte ihnen so viel Spaß, dass sie von ganz alleine wieder anfingen und wir zu keinem weiteren Spiel in der Stunde mehr kamen… Zum Schluss teilten wir Luftballons an je zwei Schüler aus und spielten Luftballontanzen. Wir begannen mit zwischen dem Bauch, doch es dauerte nicht lange bis unsere Schüler kreativ wurden und den Luftballon zwischen ihre Stirn, die Schultern, die Ohren etc. steckten und so zur Musik durch die Gegen hüpften. Die Woche darauf kehrte die Regenzeit noch einmal zurück und wir malten mit Wasserfarben. Dafür brauchten wir aber die ersten 10 Minuten, um den Kindern zu erklären, wie das System „mit Wasserfarbe malen“ funktioniert. Man nehme einen Pinsel, tauche ihn in das Wasser in der Flasche und suche sich dann eine der vielen Farben aus. Wenn man nun mit dem nassen Pinsel in der Farbe herumrührt, löst diese sich und befindet sich dann wundersamerweise am Pinsel, mit dem man dann auf dem Papier malen kann! Doch noch viel aufregender ist es, wenn man die Farbe nicht auf das Blatt Papier malt, sondern auf Hände, Arme oder ins Gesicht. Und auf weißer Haut macht das Ganze gleich noch viel mehr Spaß! Ihr könnt euch jetzt also wahrscheinlich ausmalen wie ICH danach aussah… Leider habe ich kein Foto davon!
Wir waren also froh als die Sonne wieder schien und wir wieder draußen spielen konnten, sodass wir nach unseren Projekten lediglich mit roter Erde bedeckt sein würden. Doch da hatten wir uns zu früh gefreut… Wir bauten einen Parcours auf, den die Kinder als Dreibeinlauf oder Eierlauf allein oder zu zweit bewältigen mussten. Aufgrund des Regens war das Klima jedoch unglaublich schwül und drückend, sodass die Konzentration bald im Keller war. Wir ließen die Kinder also noch eine Weile so spielen. Recht schnell saßen jedoch Laura und ich auf dem Boden und alle Kinder standen um uns herum und spielten mit unseren Haaren. Jeder bekam zunächst eine Strähne, die er flechten konnte. Dann wurden alle Zöpfe zusammen geflochten und schließlich wieder geöffnet, um wieder von vorne anfangen zu können. Wenn man selbst aber keine langen Haare hat, hat man kaum eine Vorstellung davon wie weh es tun kann, wenn an jeder Haarsträhne jemand mit voller Kraft zieht. Als die Stunde endlich vorbei war, brauchten wir noch eine ganze Weile, um die Kinder von unseren Haaren zu bekommen…
So richtig vorbei war die Regenzeit aber immer noch nicht. Und so brauchten wir noch einmal einen Plan, um die Kinder in den Klassenräumen zu beschäftigen. Also nahmen wir noch einmal unsere Wasserfarben mit. Wir zeigten den Kindern wie sie so Fingerabdrücke auf ein Blatt machen und daraus dann Schweinchen, Schmetterlinge oder Herzen malen konnten. Dazu sollten sie einen Text über sich selbst schreiben, über ihre Familie, ihr Lieblingsessen, ihre Lieblingsmusik, ihren Traumberuf etc.

Seit Anfang Juni wohnen drei Amerikanerinnen von der Duke University für zwei Monate bei uns. Sie führen Umfragen im Dorf zum Gesundheitssystem durch.
Die letzten beiden Wochen hatte ich aber noch viel spannenderen Besuch. Und zwar  von zwei meiner Freundinnen – Lena und Annika! Gemeinsam kochten wir in Uuwo, wo vor allem Lena mit ihrer Kamera von unseren Schülern bestürmt wurde. Auch in Kondiki waren die Beiden eine Attraktion. Gili organisierte für uns eine Kurzsafari. Wir machten einen Ausflug zum Lake Chala, nach Moshi und nach Marangu. Viel zu schnell gingen auch diese beiden Wochen vorbei und die Beiden sind wieder zurück in Deutschland.

Ebenfalls in Deutschland befinden sich Pracseda, meine Schwester Nancy und ihre Freundin Gloria. Beide haben die Schule beendet und werden nun für drei Monate in Deutschland bleiben. Mami kommt zum Glück nach zwei Wochen wieder! Dafür verbringt aber momentan Gili ungewöhnlicherweise eine Menge Zeit mit uns und hat Sonntag das erste Mal, seitdem ich hier bin, mit uns Zuhause zu Abend gegessen!!

Herzlichste Grüße,

Eure Debbie

Mit Wasserfarbe malen:




So brave Kinder...